Heimat des Mugham
Die aserbaidschanische Musikkultur wurzelt tief in der Gesellschaft und ist seit alters her Ausdrucksform soziokultureller Riten und Alltagshandlungen. Von Generation zu Generation wurde der Lied- und Melodienreichtum in einem Prozess der ständigen Formulierung weitergegeben.
Wie das Liedgut sind auch die Volkstänze Ausdruck einer jahrhunderte langen Tradition. Ein Gruppentanz, wie der Jally wurde offensichtlich vor der Jagd getanzt, wahrscheinlich aber auch als eine Art Training für Gewandtheit und Geschmeidigkeit der Bewegungen. Die Mehrheit der aserbaidschanischen Tänze wird solo getanzt. Männertänze betonen Kühnheit und Tapferkeit, Frauentänze drücken Zurückhaltung und Empfindsamkeit aus.
Eine der ältesten und bedeutsamsten musikalischen Ausdrucksformen Aserbaidschans stellt das Schaffen der Aschigs dar. Aschigs sind Komponisten, Sänger und Erzähler in einer Person, die Gedichte und Balladen mit moralischen und religiösen Inhalten präsentieren. Begleitet wird der Aschig von traditionellen Instrumenten wie der Saz (Zupfinstrument), der Naghara (Trommel) und dem Balaban (Blasinstrument).
Seit 400 bis 500 Jahren gehört Mugham in Aserbaidschan zu einer der beliebtesten Musikformen. Drei Mugham-Spieler improvisieren einer nach dem anderen über ein vorgegebenes Thema, als stünden sie im Wettbewerb miteinander. Trotzdem ist der Mugham an ein spezifisches Regelwerk gebunden, das Intervalle, Melodieführung und Rhythmus bestimmt. Zu den musikalischen Improvisationen interpretiert der Sänger klassische lyrische Texte. Der traditionelle Mugham zeigt deutliche Parallelen zur heutigen Jazzmusik und wurde von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.
Erst mit dem Tod Stalins, der Jazz verboten hatte, begann Anfang der 50er Jahre die Bewegung des Mugham-Jazz oder Jazz-Mugham. Zum Pionier des aserbaidschanischen Jazz wurde der Komponist und Pianist Vagif Mustafazadeh. Geschickt knüpfte er die traditionellen Musikwurzeln, den Mugham und die Elemente des Jazz aneinander und schuf damit einen spezifischen Klang. Schnell erspielte sich Vagif Mustafazade internationales Renommé, doch in seiner Heimat blieb ihm bis in die 60er Jahre die offizielle Anerkennung versagt. 1979 starb Vagif Mustafazadeh mit nur 39 Jahren. Seine Tochter Aziza trat in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters und entwickelte darüber hinaus dessen musikalisches Erbe weiter. Aziza Mustafa Zadeh überzeugt vor allem mit ihrer auffallenden, außergewöhnlichen Stimme. 1993 erhielt sie den ECHO für das Album Always.







