Literarische Tradition Aserbaidschans
Die aserbaidschanische Literatur speist sich noch heute zum Teil aus der reichen Folklore, die das Land seit Jahrhunderten hervorgebracht hat. Besonders Sagen, Märchen und Volksweisheiten gehen bis weit in die Geschichte Aserbaidschans zurück. Die Anfänge der aserbaidschanischen Literatur werden im fünften Jahrhundert vermutet. Eines der ältesten literarischen Werke stellt das Epos „Kitab-i Dede Korkud“ dar, das zwölf Sagen umfasst und bereits im siebten Jahrhundert in aserbaidschanischer Sprache verfasst wurde. In seiner Beschreibung des Kampfes nach Freiheit und Unabhängigkeit der heutigen Volksgruppe der Aserbaidschaner ist dieses Epos bis heute eine der bekanntesten Folkloren.
Das Epos „Leila und Madschnun“, das bis heute an Bekanntheit seinesgleichen sucht, ist eines der Werke des Dichters Nizami. Sein Schaffen bildet im 12. Jahrhundert einen der Höhepunkte der aserbaidschanischen Poesie. Durch die lange Tradition der Aschigs, Komponisten, Sänger und Erzähler in einer Person, sind Nizamis Dichtungen bis heute in der aserbaidschanischen Kultur präsent.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mit Aufnahme Aserbaidschans ins Russische Reich, kam es zu einer stärkeren Orientierung an westlichen Strömungen in der Literatur. Besonders das Denken der Aufklärung hielt Einzug in die Literaturproduktion Aserbaidschans. Die realistischen Erzählungen dieser Zeit spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der aserbaidschanischen Prosa. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Zeit ist Mirza-Shaffy Vaseh (1794-1852). Seine Dichtungen waren auch im deutschen Sprachraum sehr beliebt und wurden bereits 1850 unter dem Titel „Die Lieder des Mirza-Schaffy“ ins Deutsche übersetzt.
Mit der Eingliederung Aserbaidschans in die Sowjetunion wurde auch die Entwicklung einer nationalen Identität in der Literatur Aserbaidschans weitestgehend unterdrückt. Die Thematisierung und Hinwendung zum Kommunismus sollte das Festhalten an aserbaidschanischen Traditionen ersetzen. Mit der Unabhängigkeit Aserbaidschans von der Sowjetunion 1991 begann auch durch staatliche Förderung eine starke Rückbesinnung auf die traditionellen Dichtungen, Sagen und Erzählungen Aserbaidschans. Auf Initiative des Staatspräsidenten Aliyev wurden so unter anderem wichtige Werke der aserbaidschanischen Literatur neu in lateinischen Buchstaben veröffentlicht, nachdem diese Schreibweise 2001 verbindlich wurde.







